Wenn wir vom BUVUS heute, im , abschätzen müssten, welche Themen in den nächsten Wochen / Monaten besonders dynamisch sein werden:
- EU-weit zeigt sich eine weiter verdichtete sicherheitspolitische Lage im Umgang mit unbemannten Systemen. Wiederholte Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur (u. a. Energieanlagen und Flughäfen), konkrete Vorfälle im europäischen Ausland sowie anhaltende Störungen des Flugbetriebs verdeutlichen die wachsende Relevanz des Themas. Parallel dazu werden in mehreren Staaten – auch in Deutschland – rechtliche Rahmenbedingungen angepasst, um Sicherheitsbehörden explizite Befugnisse zur Drohnenabwehr einzuräumen.
- Operative Counter-UAS-Vorhaben (z. B. Beschaffungen und Tests durch Bundeswehr und Sicherheitsbehörden) markieren einen klaren Prioritätswechsel: Weg vom reinen „Capability Build-up“, hin zu einsatznaher, belastbarer Abwehrfähigkeit im zivil-militärischen Verbund. Regulierung entwickelt sich dabei zunehmend vom Hemmnis zum steuernden Instrument, sowohl für zivile Drohnenanwendungen als auch für Sicherheits- und Verteidigungszwecke.
Mit steigender Drohnendichte rücken Erkennung, Abwehr und Resilienz in den Mittelpunkt – insbesondere im Kontext kritischer Infrastrukturen, öffentlicher Großereignisse und des Luftverkehrs. Sicherheitsfragen werden nicht mehr isoliert technisch betrachtet, sondern systemisch: Wie lassen sich Drohnen sinnvoll nutzen und gleichzeitig zuverlässig kontrollieren bzw. unerwünschte Aktivitäten wirksam unterbinden?
- Parallel dazu gewinnen BVLOS-Operationen weiter an Bedeutung. Sie gelten zunehmend als Voraussetzung für skalierbare, wirtschaftlich tragfähige Anwendungen jenseits von Pilotprojekten. Die permanente BVLOS-Testzone über der Nordsee in den Niederlanden fungiert dabei als großskaliges Reallabor für Verfahren, ConOps und Verkehrsmanagement über See und besitzt klaren Blaupausen-Charakter für die Weiterentwicklung der deutschen und europäischen BVLOS-Regelsetzung. Insgesamt zeigt sich ein Trend zu größeren räumlichen und zeitlichen Einsatzprofilen – länger, weiter und stärker automatisiert.
- Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Multidomänen-Ansätzen: Die Integration von Luft-, See- und Unterwasser-Systemen in kooperativen Missionen – teils autonom koordiniert – gewinnt sowohl zivil als auch militärisch an Relevanz und verweist auf die zunehmende Systemhaftigkeit unbemannter Lösungen.
- KI-gestützte und autonome Funktionen (z. B. Routenoptimierung, Objekterkennung, Kollisionsvermeidung, Sensorfusion) entwickeln sich dabei zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Sie sind weniger „Feature“, sondern Kernvoraussetzung für Skalierung, Sicherheit und Effizienz.
- Auf der industriellen Seite rücken Bauteile, Sensorik und Miniaturisierung weiter in den Fokus. Fortschritte bei Radar-, LiDAR- und EO/IR-Payloads, Antriebssystemen, Energieversorgung und IMUs sind grundlegende Enabler neuer Anwendungen. Der Trend geht klar weg von der einzelnen Plattform hin zum industriell gefertigten Drohnensystem mit modularen Nutzlasten, abgesicherter Lieferkette und standardisierten Komponenten.
Kurzfazit: Der Diskurs der letzten Wochen ist klar von operativer Resilienz geprägt. Counter-UAS, belastbare Rechtsrahmen, BVLOS-Infrastruktur und vertrauenswürdige Lieferketten dominieren die Entwicklung – flankiert von militärischer Abwehrtechnologie, systemischer Integration über Domänen hinweg und einer fortschreitenden Industrialisierung der Komponenten- und Systemlandschaft.