Wenn wir vom BUVUS heute, im , abschätzen müssten, welche Themen in den kommenden Wochen und Monaten besonders dynamisch sein werden, dann zeigt sich ein klares Bild: Der Drohnensektor bewegt sich von der Innovationsphase in eine Phase der strukturellen Konsolidierung und operativen Skalierung.:
- EU-weit – und darüber hinaus – verdichtet sich die sicherheitspolitische Lage im Umgang mit unbemannten Systemen weiter. Wiederholte Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur, an Flughäfen und bei öffentlichen Großereignissen haben deutlich gemacht, dass Drohnen fester Bestandteil des Luftraums sind – mit allen Chancen, aber auch mit klaren Sicherheitsimplikationen. Entsprechend werden in mehreren Staaten rechtliche Rahmenbedingungen angepasst und Sicherheitsbehörden explizite Befugnisse zur Drohnenabwehr eingeräumt.
- Operative Counter-UAS-Vorhaben markieren dabei einen strukturellen Prioritätswechsel: Weg vom reinen „Capability Build-up“, hin zu dauerhaft verankerter, einsatznaher Abwehrfähigkeit im zivil-militärischen Verbund. Evaluationsprogramme, standardisierte Beschaffungsverfahren und klar definierte Einsatzarchitekturen zeigen, dass C-UAS nicht mehr als technologische Option, sondern als integraler Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen verstanden wird.
Mit steigender Drohnendichte rücken Erkennung, Resilienz und Systemintegration in den Mittelpunkt – insbesondere im Kontext kritischer Infrastrukturen, urbaner Räume und des Luftverkehrs. Sicherheitsfragen werden dabei zunehmend systemisch gedacht: Wie lassen sich Drohnen sinnvoll und wirtschaftlich nutzen, während gleichzeitig Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und wirksame Abwehr unerwünschter Aktivitäten gewährleistet bleiben?
- Parallel dazu gewinnt BVLOS weiter an strategischer Bedeutung. BVLOS ist nicht länger nur ein regulatorisches Spezialthema, sondern die Voraussetzung für skalierbare Geschäftsmodelle und industrielle Anwendungen. Regionale Testinfrastrukturen, staatlich unterstützte UAS-Korridore und Fortschritte bei Detect-and-Avoid-Standards zeigen, dass sich der Betrieb jenseits der Sichtweite zunehmend von Einzelgenehmigungen hin zu strukturierten, systembasierten Betriebsmodellen entwickelt. Der Trend geht klar zu größeren Einsatzradien, längeren Flugzeiten und höherer Automatisierung.
- Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Multidomänen-Ansätzen. Die Integration von Luft-, See- und Unterwasser-Systemen in kooperativen, teils autonom koordinierten Missionen nimmt sowohl im zivilen als auch im militärischen Umfeld deutlich zu. Unbemannte Systeme werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil vernetzter Gesamtarchitekturen.
- KI-gestützte und autonome Funktionen entwickeln sich dabei zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Autonome Navigation, Sensorfusion, resilienter Betrieb bei GPS-Störungen und KI-basierte Detektion sind nicht länger Zusatzfunktionen, sondern Kernvoraussetzungen für Skalierung, Sicherheit und Effizienz.
- Auf industrieller Ebene zeigt sich eine klare Konsolidierung: Der Fokus verschiebt sich von einzelnen Plattformen hin zu industriell gefertigten Drohnensystemen mit modularen Nutzlasten, abgesicherten Lieferketten und zertifizierten Komponenten. Fortschritte bei Radar-, LiDAR- und EO/IR-Payloads, bei Antriebssystemen sowie bei resilienter Kommunikations- und Navigationsarchitektur bilden das Fundament dieser Entwicklung.
Kurzfazit: Der Diskurs der letzten Wochen ist deutlich von operativer Resilienz und struktureller Reife geprägt. Counter-UAS-Institutionalisierung, BVLOS-Skalierung, regulatorische Operationalisierung und vertrauenswürdige Lieferketten dominieren die Entwicklung – flankiert von technologischer Integration über Domänen hinweg und einer fortschreitenden Industrialisierung der System- und Komponentenlandschaft.